Eines vorweg in eigener Sache:

 

Als ich vor einigen Jahren hier meinen Text zu den Kipperkarten schrieb, hatte ich die Intention, ein Informationsquelle zu schaffen, die Interessierten den Einstieg in dieses Kartenorakel erleichtern oder vielleicht sogar ermöglichen sollte. Hätte ich jedoch nur im Ansatz geahnt, welche Ausmaße der unverfrorene Diebstahl von geistigen Gedankengut annehmen würde, wären die Seiten von mir jedoch nie veröffentlicht, sondern vielleicht gleich in einem Buch gedruckt worden...

"Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente." So weise sprach Theodor Fontane.  In diesem Satz steckt eine tiefe Wahrheit und deshalb versuche ich mich stets daran zu halten, was mir aber leider nicht immer gelingen will. Da gibt es z.B. zahlreiche Autoren und Möchtegern-Autoren, die meine Texte ohne Rücksicht auf das geltende Urheberrecht als Vorlage für ihre Werke verwenden.

 So fand ich meine Texte z.B. schon auf kommerziellen  Homepages als Einführung in die Welt der Kipperkarten (gleich neben den Button mit dem Einkaufswagen oder der 900-er Nummer), ebenso in Diskussionsforen und sogar in Büchern. Das absolute Highlight sind jedoch sämtliche auf dem heimischen Drucker (re-) produzierten Werke, die sich als "Bücher" oder "Online-Kurs" in einem großen Online-Auktionshaus zu horrenden Preisen feilgeboten werden. Dessen Schreiberlinge arbeiten offensichtlich mit der Masche "quick & dirty";  damit meine ich nicht die disaströsen orthographischen Ausritte, sondern die offensichtlich rationelle und ökonomische Arbeitsweise. Anders ausgedrückt: Man arbeite mit "Copy & Paste" und, schwupp, schon ist das "Buch" fertig... Dabei scheinen meine Texte zur Geschichte über die Kipperkarten besonders begehrt zu sein. Das gleiche gilt auch für die Grafiken, deren Abdruckgenehmigung ich von den zuständigen Firmen erhalten habe und die einfach so übernommen werden.

Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich die Texte, die mittlerweile stark verbesserungwürdig wären (habe sie bereits 1997 geschrieben) nicht mehr angepasst habe und das auch nicht mehr tun werde.

Auch  möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich mich gegen sämtlichen Diebstahl meines geistigen Gedankenguts wehren werde - das gelang mir bislang auch erfolgreich. Auch möchte ich darauf hinweisen, dass der Nachweis darüber, dass meine Seiten die älteren sind, ganz leicht zu erbringen ist.

 

... und jetzt viel Spaß!

Die Geschichte der Kipperkarten

Woher kommen die Kipperkarten?  Wer hat sie erfunden oder von wem stammen sie ab? Wie alt sind sie? Ich habe den Eindruck, dass der geschichtliche Hintergrund noch weniger bekannt ist als bei den Tarotkarten. Und wie bei anderen Kartengeschichten und -anekdoten, dürfen auch bei den Kipperkarten die Zigeuner „herhalten“, wenn es um Erfindung und Überlieferung geht.  Mich persönlich hat diese Theorie noch nie sehr überzeugt – besitzen doch die im Biedermeierstil gestalteten Kipperkarten überhaupt nichts, was an das Zigeunerleben erinnern könnte!

Schlagen wir im Lexikon unter „Kipper“ nach, erhalten wir leider auch nicht viel an Informationen – höchstens Material, das noch mehr Anlass für Spekulationen gibt: „Kipper und Wipper“ waren im 17. Jahrhundert Edelmetallaufkäufer, die betrügerische Methoden verwendeten (durch das „Kippen und Wippen“ der Waage). Die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges werden auch als „Kipper- und Wipperzeit“ bezeichnet; in dieser Zeit  herrschte große Geld- und Silberknappheit, was die Landesherren veranlasste, das vollwertige Hartgeld einzuschmelzen und mit Kupferzusatz auszuprägen. Diese Münzen wurden „Kippermünzen“ genannt. Möglich, dass das Legen von Kipperkarten mit denn Kippern und Wippern in Verbindung gebracht wurde und die Karten deshalb ihren Namen bekamen.

Bisher war es nur die Autorin Anne L. Biwer, die für ihr Buch über die historischen Hintergründe der  Kipperkarten recherchierte. Laut ihren Informationen wurden die Karten von einer Frau Susanne Kipper etwa im Jahre 1873 entworfen. Frau Kipper stammte ursprünglich aus Berlin, lebte aber zeitweise in München, wo sie auch die Kipperkarten entwarf. Die Illustrationen sprechen dafür, dass die Karten während dieser Zeit entstanden. Auch scheint es so, dass Frau Kipper von der Umgebung Münchens bei der Gestaltung der Karten inspiriert wurde: Auf den Karten sind die Alpen sowie die Zwiebeltürme der bayerischen Kirchen zu sehen. Anne Biwer vermutet auch, dass sich Frau Kipper von den Lenormand-Karten beeinflussen ließ; es gibt Karten die sich hier ähneln, wie z.B. „das Haus“ oder „der Brief“. Das macht Sinn, wenn man das damalige Nationalgefühl der Menschen und den  Wunsch nach „einheimischen“ Wahrsagekarten berücksichtigt. 

Der Münchner Schreibwarenhändler Matthias Seidlein soll sich um die Publikation der Karten gekümmert haben. So existiert eine erste Auflage der Karten aus dem Jahre 1873, die bei einem „Kartenmacher Kipper“ erschienen sein sollen.  Die Recherchen von Frau Biwer ergaben außerdem, dass gegen 1890 eine weitere Auflage  mit  Anleitungsheft („Karten der berühmten Wahrsagerin Frau Kipper“) erschien – und mit dieser Jahrszahl verschwand auch der Name Susanne Kipper, es bleibt uns also nichts anderes übrig, uns auf die spärlich überlieferten Informationen zu stützen. 1900 und 1910 kam es zu Neuauflagen des Kartendecks durch Matthias Seidlein, die Karten trugen die Aufschrift „Gezeichnet und herausgegeben von F. Kipper“. 

Ungefähr 1920 gingen die Kipperkarten in den Besitz der Firma F.X. Schmid über -  und hier soll etwas Merkwürdiges geschehen sein: Von diesem Zeitpunkt an erschienen die Kipperkarten (vermutlich aus technischen Gründen) seitenverkehrt gedruckt. Angeblich arbeiten wir also heute mit den Spiegelbildern der Original-Kipperkarten, was aber der Beliebtheit und dem Interesse an den Kipperkarten keinen Abbruch tut. 

 

Kipperkarten - Karten für die Treffsichere Prognose?

Die Kipperkarten werden gerne als Alternative zu den Tarotkarten benutzt, denn sie wirken nicht sehr komplex und bestechen durch ihre Schlichtheit und Unschuld. Auch werden sie  manchmal verwendet, um sich an konkreten Ereignisprognosen zu versuchen – während der Tarot als Spiegel unserer Seele „nur“ unser Empfinden anzeigt, aus dem sich die Entwicklung einer Angelegenheit ableiten lässt, geben die Kipperkarten mit dem Namen „Viel Geld gewinnen“ oder „Ein kleines Kind“ Anlass zu Hoffnung, dass man aus ihnen die Ereignisse für die Zukunft ablesen kann. Man kann sich also sehr schnell verführt sehen, aus der Finanzkarte "Viel Geld gewinnen" einen Geldsegen abzuleiten. Aber sind die Kipperkarten tatsächlich auch dafür geeignet, Konkretes im voraus festzustellen?

Was sind die Kipperkarten, die auf dem ersten Blick mit dem Tarot nicht viel gemeinsam zu haben scheinen, genau?

Auffallend sind die scheinbar einfachen, mit sprechenden Bezeichnungen versehenen Illustrationen der 36 Karten.  Offensichtlich ist es auch, dass in den Kipperkarten sehr viel Personenkarten vorkommen; außerdem gibt es insgesamt nur fünf bzw. sieben augenscheinlich „negative Karten“, während die restlichen Karten alle „positiv“ (oder zumindest neutral) sind.

Betrachten wir einmal einige Beispiele: so gibt es bei den Kipperkarten z.B.  auch eine „Todeskarte“. Sie heißt hier „ein Todesfall“ und  hat mit der Karte XIII Tod aus dem Tarot schon eines gemeinsam: sie ist auf keinen Fall wortwörtlich zu nehmen! „Der Todesfall“ zeigt an, dass eine Situation oder Angelegenheit zu Ende geht; natürlich kann es sich hier um ein unangenehme und unliebsame Situation handeln. Des weiteren kann die Karte „Todesfall“ auffordern, Motivationen und innere Einstellung zu überprüfen: So kann sie auch – pauschal ausgedrückt – eine Stimmung anzeigen, die wir „negative Schwingung“ nennen.

Ähnlich ist es mit Karten wie „eine Reise“ oder „viel Geld gewinnen“: Hier wird nicht unbedingt ein Urlaub oder der Geldsegen angezeigt. „Eine Reise“ zeigt meist einen Neubeginn an – ähnlich wie der Wagen (VII) im Tarot, der nicht unbedingt für eine geografische Veränderung stehen muss, sondern in erster Linie ankündigt, dass Schwung in eine Angelegenheit kommt. Die Kipper-Karte „viel Geld gewinnen“ besitzt grundsätzlich die Eigenschaft „viel“ und muss daher nicht unbedingt einen Geldgewinn ankündigen, sondern kann auch für ideelle Werte stehen (die umliegenden Karten zeigen an, welcher Lebensbereich davon betroffen ist).

Auch sind die zahlreichen Personenkarten in den Kipperkarten nicht unbedingt wörtlich zu verstehen. Der „reiche gute Herr“ zeigt nicht unbedingt (den lang ersehnten) wohlhabenden Junggesellen an, sondern steht vielmehr für alle Geldgeschäfte oder Institutionen, die mit Werten zu tun haben: eine Firma, die Bank, der Berater.... Die Karte kann auch den Sohn symbolisieren – sie zeigt jedenfalls Menschen oder Einrichtungen an, die mit einer Versorgung bzw. Verantwortung in Verbindung gebracht werden. Und „Das große Glück“ zeigt uns die Möglichkeit zur Expansion und Entfaltung an, aber nicht unbedingt das endgültiges Ergebnis.

Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen... Man wird jedenfalls bald feststellen, dass die Kipperkarten dem Tarot gar nicht so unähnlich sind: auch sie bedienen sich einer Symbolsprache und zeigen den tendenziellen Verlauf einer Situation oder Entwicklung an. Durch ihre Illustrationen und wörtlichen Bezeichnungen, die zum Teil sehr direkt und wertend sind, vermitteln die Kipperkarten auf dem ersten Blick den Eindruck, dass sie sich sehr konkret mitteilen bzw. determinierte Ereignisse ankündigen.

Wir sollten uns aber auch hier vor Augen halten, dass unser Unterbewusstsein auf Symbole reagiert und sich nie direkt, sondern bildhaft, d.h. durch Formen, Bilder und Farben, mitteilt.   Arbeitet man eine Weile mit den Kipperkarten, wird man mit der Zeit feststellen, dass sie sich - trotz ihrer Einfachheit - tiefgründig sein können; sie sprechen nur eine etwas andere Sprache als der Tarot - sie reden eben „kipperisch“ und Kippern ist eine Sprache für sich. Gerade die Schlichtheit der Kipperkarten fordert uns auf, sich genauer mit den Bildern auseinander zu setzen und die verschiedenen Karten untereinander zu kombinieren. So kann manchmal auch die Blickrichtung einer Person auf den Karten ausschlaggebend sein, ein andermal kann die Bedeutung einer Karte durch die umliegenden Kombinationskarten abgeschwächt oder verstärkt werden. Wie bei anderen Orakeln empfiehlt es sich, die gezogenen Karten samt persönlicher Kommentare -  d.h. die gelernten Bedeutungen, aber auch die persönlichen Assoziationen und Eindrücke - zu notieren und die Legung für einen gewissen Zeitraum zu beobachten.

Hier geht es zu den Bedeutungen der einzelnen Kipperkarten

Text: 

Copyright by Wasserfrau - und das ist tatsächlich so gemeint, wie es hier steht!!!

 

Kartengrafiken:  

Bei den Illustrationen handelt es sich um die "klassischen" Kipperkarten.

Die Abbildung erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Firma ASS Altenburger Spielkarten (Spielkartenfabrik Altenburg GmbH),

Alte Leipziger Str. 7, 04600 Altenburg, www.Spielkarten.com. Weitere Reproduktionen sind nicht erlaubt.

 

Literaturhinweise:

Anne L. Biwer „Kipper-Wahrsagekarten, Deutungen und Legemethoden“, Schirner Verlag 

Brigitte Glaser: "Brigitte Glaser's Kipperkarten-Buch", Verlag Arche Noah